Die Trauben werden reif – so früh wie selten zuvor

Für das Rebenwachstum waren die letzten Wochen geradezu ideal. Ausreichend Wasser im Boden und häufig, wenn auch nicht immer Sonnenschein. Das oft schwüle Wetter, das uns Menschen so gar nicht gefällt, bekommt den Reben sehr gut.

Die Winzer müssen nur über den Pflanzenschutz und über eine optimale Laubarbeit dafür sorgen, dass die Trauben gesund bleiben, was bislang auch durchweg funktioniert hat. Durch die Turboentwicklung dieses Jahr mit frühem Austrieb und früher Blüte ist die Entwicklung dem Mittelwert der vergangenen Jahre um einiges voraus und gerade im direkten Vergleich zum vergangenen Jahr macht sich der Vorsprung besonders bemerkbar. Zwei bis drei Wochen dürfte dieser derzeit betragen.Die roten Trauben sind in der Färbung schon relativ weit fortgeschritten, auch die frühreifenden weißen Trauben kann man bereits probieren. Die Lese für den ersten Federweißen wird in diesen Tagen beginnen. Mit dem Beginn der eigentlichen Weinlese rechnen die Winzer derzeit für die zweite Septemberwoche. Die Erwartungen an den Traubenertrag sind dabei sehr unterschiedlich. Der Fruchtansatz ist sehr gut, die Beeren haben sich prächtig gefüllt, eigentlich beste Voraussetzungen für einen mengenmäßig guten Jahrgang, wenn da nicht in manchen Regionen massive Einbußen durch den späten Frost im April und zusätzlich noch Hagel im Juli gewesen wären. Das relativiert die Prognosen für Gesamt-Rheinhessen auf einen insgesamt durchschnittlichen Ertrag.Vollreife TraubeZur Qualität kann man noch immer wenig sagen. Der Entwicklungsvorsprung bietet zwar gute Voraussetzungen für hohe Mostgewichte, wenn die Trauben denn bis zur Vollreife hängen bleiben können. Die aktuell feuchtwarme Witterung ist jedoch in den letzten Wochen vor der Lese alles andere als ideal. Das begünstigt Fäulnis und bietet auch optimale Vermehrungsbedingungen für die gefürchtete Kirschessigfliege, dem neuen Schädling bei roten Trauben, der den Winzern seit einigen Jahren große Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Also heißt es jetzt Daumen drücken für sonnige Tage, kühle Nächte und vor allem kein Regen mehr.

Rasantes Triebwachstum verlangte vollen Einsatz

Die letzten Wochen hatten die Winzer mit den Laubarbeiten in den Weinbergen alle Hände voll zu tun. Durch das heiße Wetter sind die Reben rasant gLaubschneiderewachsen. Manche Weinberge sahen zwischendrin völlig zerzaust aus.

 

Aber nun ist das was bei den Laubarbeiten  noch von Menschenhand erledigt werden muss geschafft. Die Triebe sind alle in den Drahtrahmen gesteckt und die überflüssigen Triebe am Boden und am Stammkopf wurden entfernt.

Die Kürzung der Triebe übernimmt jetzt der Laubschneider und auch die Entblätterung der Traubenzone wird maschinell erledigt. Die Trauben füllen sich jetzt schnell und erreichen in den nächsten Tagen ihre endgültige Größe und die ist dieses Jahr bei den weniger als sonst üblichen Trauben beträchtlich. Danach beginnt die Zuckereinlagerung, also die eigentliche Reife.

In manchen Gemarkungen müssen die Winzer dieses Jahr den einen oder anderen „Stolperstein“ erleben. Nicht nur, dass der Ertrag vom Frost dezimiert wurde, dann stresste die lange Trockenperiode die Reben und nun kam auch noch örtlich Hagel hinzu. Im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es wenigstens kaum Probleme mit  Pilzkrankheiten.

Die Blüte verlief prachtvoll

RebblüteSonne satt, auch nachts relativ warm und die Reben finden auch noch genügend Wasser im Boden. Besser geht es nicht. Die Reben wachsen im „Turbotempo“. Die Blüte verlief optimal und ist selbst in den allerspätesten Lagen fast abgeschlossen.

In frühen Lagen sind die Trauben schon bald erbsengroß. Mit dem Dickenwachstum der Trauben verlangsamt sich jetzt das Wachstum der Triebe, so dass die Winzer endlich bei den Laubarbeiten aufholen können. Denn die sind die Grundlage für die weiteren qualitätsorientierten Maßnahmen. Das beginnt jetzt zunächst mit dem ersten Laubschnitt und geht anschließend mit der Entblätterung weiter. Beide Maßnahmen fördern die Durchlüftung der Laubwand und die Besonnung der Trauben.Auch die vielerorten frostgeschädigten Weinberge sind mittlerweile wieder ergrünt. Allerdings sind an diesen nachgewachsenen Trieben kaum Trauben zu finden, so dass die Winzer hier  die sehr aufwändigen Laubarbeiten mit Frust durchführen.  Aber man benötigt die Triebe fürs nächste Jahr und hofft, dass die Weinberge den dieses Jahr fehlenden Ertrag im nächsten Jahr wieder ausgleichen.Mit dem Verlauf der Blüte wurde ein wichtiger Meilenstein für den Jahrgang 2017 gelegt. Schon jetzt kann man sagen, dass es große Schwankungen in der Erntemenge zwischen den Weinbergen geben wird. Die nicht vom Frost betroffenen Weinberge werden wohl recht hohe Erträge bringen. Zum Ende der Blüte kann man auch den Lesetermin grob berechnen: 100 bis 110 Tage braucht die Traube von der Blüte bis zur Vollreife, was einen frühen Lesetermin Anfang bis Mitte September erwarten lässt.

Warten auf das, was kommt

Mai 2017 – Blick in den Weinberg

Die Frostnacht vom 20. April hatte nicht nur die Winzer in eine gebannte Starre verfallen lassen, auch die Reben wollten zunächst einfach nicht mehr weiterwachsen. Fast einen Monat später hat sich das Ausmaß der Frostschäden etwas relativiert.

Viele Weinberge haben sich erholt, bei anderen fangen die Knospen gerade erst wieder an auszutreiben. Teilweise sieht man aber noch gar keinen Neuaustrieb. So findet man selbst an einem Rebstock ein sehr differenziertes Entwicklungsspektrum von sichtbaren Trauben bis zu einem zarten Knospenschwellen. Ob  an diesen Knospen nochmal Trauben wachsen kann derzeit niemand sagen, weshalb auch noch immer zum tatsächlichen Ernteverlust noch nichts gesagt werden kann.

Das macht natürlich die Heftarbeiten in diesen Weinbergen nicht gerade einfach, da die Triebe in den nächsten Wochen ein sehr unterschiedliches Längenwachstum haben werden. Auch bleibt spannend wie sich die Reife der Trauben bei einer Schwankungsbreite von 6 Wochen beim Austrieb entwickeln wird. Kann die Natur das ausgleichen?

In den nicht geschädigten Weinbergen stehen jetzt weitere qualitätsoptimierende Arbeiten, wie die Entfernung von Doppeltrieben an (die man natürlich bei den frostgeschädigten Weinbergen am liebsten dranstecken würde). Hier geht es darum, die Laubwand für eine bessere Belichtung und Besonnung aufzulockern. Auch müssen die sogenannten Wasserschosse, das sind die Triebe die am Stammfuß wachsen, entfernt werden. Diese stehen ansonsten in Konkurrenz mit den traubentragenden Trieben oben.

Den Reben war es zu kalt

Eigentlich wollten wir Ihnen an dieser Stelle von der hervorragenden Entwicklung der Reben in diesem Jahr berichten. Der Austrieb war so früh wie schon lange nicht mehr.

Aber genau das wurde den Reben am frühen Morgen des 20. Aprils zum Verhängnis. Temperaturen von bis zu minus 5 Grad Celsius ließen die jungen Triebe schockgefrieren.  Leider allen voran in den guten Weinlagen, da hier die Reben schon am weitesten entwickelt waren.

Bei Sonnenaufgang herrscht erfahrungsgemäß der Tiefpunkt der Temperaturen einer Nacht. Um 6.00 Uhr waren die Triebe fest gefroren. Der kalte Ostwind, der auch schon am Vortag wehte, hatte für eine gleichmäßige Temperatur sowohl am Boden, wie auch in 2 Metern Höhe gesorgt, so dass auch Hubschraubereinsätze zur Verwirbelung von kalten und warmen Luftmassen keinen Erfolg gebracht hätten. Einige Winzer hatten in Ihren Top-Weinbergen Forstkerzen aufgestellt, die die Luft aber auch nicht wesentlich erwärmen konnten.

Die endgültige wirtschaftliche Schadenshöhe lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ermitteln. Akut sind zwar in vielen Weinbergen mehr als die Hälfte der Triebe erfroren. Aber der Rebstock verfügt über sogenannte „schlafende Beiaugen“, die in den kommenden Wochen austreiben werden. Diese sind zwar nicht ganz so fruchtbar, bringen aber auch noch einen gewissen Ertrag. Bleibt nur zu hoffen, dass die Eisheiligen in der ersten Maihälfte nicht auch noch zuschlagen. Wir drücken den Winzern ganz fest die Daumen, dass  die noch verbleibenden  Triebe nicht auch noch geschädigt werden.

Blick in den Weinberg – März 2017 Wenn die Reben weinen

Mit den langsam steigenden Temperaturen steigt in den Reben auch der Saft nach oben, was an nach dem Rebschnitt an den frischen Schnittstellen auch deutlich sichtbar ist. Hier bilden sich kleine Safttropfen, die das Eindringen von Krankheitserregern in die Rebe verhindern sollen – die Rebtränen. Bis zu ein Liter davon kann eine Rebe binnen 24 Stunden produzieren.

Aqua Vitis oder Lacrima Vitis bezeichneten die alten Gelehrten den Saft der Reben. Heute ist die Flüssigkeit besser unter ihrem deutschen Namen bekannt: Rebwasser oder Rebtränen. Gelehrte und Mediziner bescheinigen den kostbaren Tropfen bereits im Altertum eine heilende Wirkung. Sie seien gut für die Augen und Ohren, förderten die Seh- und Hörkraft, sie wirkten positiv auf Kopf, Magen, Darm, Niere und Blase, linderten sogar Brechreiz und dämmten das Wachstum von Warzen ein. Einige Gelehrte rieten die Anwendung von Rebtränen gegen Sommersprossen und schließlich wurde dem Naturprodukt auch eine lindernde Wirkung bei Zahnschmerzen zugesprochen.

Die Thesen halten gar einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. Stoffe wie Cineol, alpha-Terpineol und besonders Thymol sind in den Rebtränen in hoher Konzentration vorhanden. Diese Stoffe besitzen antibakterielle und desinfizierende Wirkung, die besonders in Zusammenhang mit Hauterkrankungen nachgewiesen werden konnte. So werden auch verschiedene Hautcremes, die Rebtränen enthalten, angeboten.

(Quelle: Elmar M. Lorey: Von den Rebtränen. Zur Geschichte eines volkstümlichen Heilmittels aus dem Weinberg)

Optimales Wetter für den Rebschnitt

Rebschnitt im Winter

Die Winzer lieben dieses Wetter. Trocken, Sonnenschein und kalt aber nicht zu kalt. Warm eingepackt stehen sie zurzeit draußen im Weinberg und sind eifrig am Schneiden der Reben.

Gerade weil der Rebschnitt nach wie vor noch eine der arbeitsintensivsten aber auch qualifiziertesten Handarbeiten ist und mehr als ein Drittel der jährlich im Weinberg zu leistenden Handarbeitsstunden ausmacht, muss dieBlick in den Weinberg Janunar 2017

Gerade weil der Rebschnitt nach wie vor noch eine der arbeitsintensivsten aber auch qualifiziertesten Handarbeiten ist und mehr als ein Drittel der jährlich im Weinberg zu leistenden Handarbeitsstunden ausmacht, muss die Zeit von Dezember bis März gut genutzt werden.An jedem Rebstock müssen je nach Rebsorte und Wuchs durchschnittlich etwa 8 bis 12 Schnitte vollzogen werden. Das macht bei dem Tagespensum eines Winzers über 10.000 Schnitte. Seit einigen Jahren können sie auf technische Unterstützung zurückgreifen. Die mit bloßer Muskelkraft betriebene Handschere wurde durch elektrische und pneumatische Scheren ersetzt.

Damit sind die Reben aber erst abgeschnitten. Im zweiten Arbeitsgang muss das Rebholz aus dem Drahtrahmen entfernt werden, eine Arbeit, die oftmals von Hilfskräften gemacht wird. Hier sind jedoch in den vergangenen Jahren einige vielversprechende Geräte entwickelt worden, die diese Arbeit übernehmen. Sie ziehen das abgeschnittene Rebholz aus dem Drahtrahmen nach oben und häckseln dieses auch sofort klein.

Zeit von Dezember bis März gut genutzt werden.

An jedem Rebstock müssen je nach Rebsorte und Wuchs durchschnittlich etwa 8 bis 12 Schnitte vollzogen werden. Das macht bei dem Tagespensum eines Winzers über 10.000 Schnitte. Seit einigen Jahren können sie auf technische Unterstützung zurückgreifen. Die mit bloßer Muskelkraft betriebene Handschere wurde durch elektrische und pneumatische Scheren ersetzt.

Damit sind die Reben aber erst abgeschnitten. Im zweiten Arbeitsgang muss das Rebholz aus dem Drahtrahmen entfernt werden, eine Arbeit, die oftmals von Hilfskräften gemacht wird. Hier sind jedoch in den vergangenen Jahren einige vielversprechende Geräte entwickelt worden, die diese Arbeit übernehmen. Sie ziehen das abgeschnittene Rebholz aus dem Drahtrahmen nach oben und häckseln dieses auch sofort klein.

Quelle: http://www.rheinhessen.de