Mai 2021

Die Triebe sprießen – aber zwei sind einer zu viel

In den vergangenen Wochen hatten wir zwar häufig Sonne und auch den einen oder anderen Regenschauer, so dass die Böden zumindest im oberen Bereich jetzt über genügend Feuchtigkeit verfügen. Nur die Temperaturen wollen dieses Jahr nicht so recht steigen, viele Tage lagen die sogar noch an der Frostgrenze. Die Reben reagierten darauf mit einem sehr zögerlichen Austrieb, so dass wir jetzt über zwei Woche hinter der langjährigen Entwicklung der doch eher wärmeren Vorjahre zurückliegen.

Die Winzer sind darum jedoch nicht böse, zum einen blieben ihre Reben von den Frostschäden, die in den südeuropäischen Weinbauregionen große Schäden anrichten, verschont, andererseits stehen die Chancen so auch gut für einen etwas späteren Erntebeginn bei kühlen Temperaturen. Und auch die in diesen Tagen gefürchteten Eisheiligen mit Nachtfrost scheinen jetzt überstanden zu sein. Und die Winzer hoffen nach der alten Bauernregel „Mai kühl und nass füllt der Bauern Scheun und Fass“ bei der derzeitigen Witterung für den 2021er auf gut gefüllte Keller.

Mit der überstandenen Nachtfrostgefahr können die Winzer jetzt mit dem Entfernen der Doppeltriebe beginnen. Diese Arbeit ist nach dem Rebschnitt die zweite qualitätssteigernde Maßnahme im Weinberg. Gerade die Burgundersorten neigen zu Doppeltrieben, d. h. aus vermeintlich einer Knospe wachsen zwei Triebe, was den doppelten Ertragsansatz bedeutet. Qualitätsorientierte Winzer sind deshalb derzeit damit beschäftigt, diese Doppeltriebe zu entfernen. So hat die spätere Laubwand mehr Licht und Luft, was zu einer besseren Besonnung und schnelleren Abtrocknung der Trauben führt. Weiterhin müssen die Triebe, die am Stammfuß stehen, entfernt werden. Diese „Wasserschosse“ stehen in Konkurrenz zu den oberen Trieben. Wenn die Triebe infolge der kühlen Temperaturen nur langsam wachsen ist das Zeitfenster für diese Arbeit größer, was den Stresspegel für die Mitarbeiter deutlich senkt.