Die Reben werden immer älter

Einen kompletten Weinberg zu roden kommt mittlerweile in jedem Winzerleben nur noch ein- oder zweimal vor. Die Standzeiten eines Weinberges haben sich von 20 bis 25 Jahren noch vor einer Generation auf mittlerweile 30 bis 40 Jahre verlängert.

Früher wurden Weinberge gerodet weil die Zeilenbreiten für die Weiterentwicklung in der Mechanisierung zu schmal waren oder weil die Unterstützungsvorrichtung mit morschen Holzpfählen und verrosteten Drähten erneuert werden musste. Heute hält das alles viel länger und die optimalen Zeilenbreiten sind auch erreicht. Jetzt motiviert allenfalls ein Nachlassen der Wuchsleistung oder eine Umstellung der Rebsorte dazu, einen Weinberg zu roden.

Nach der Lese werden alle Triebe abgeschnitten, Drähte und Pfähle entfernt und dann die Stämme mitsamt den Wurzeln gerodet. Anschließend wird die Fläche intensiv gelockert, um optimale Voraussetzungen für den Wuchs der im Frühjahr zu pflanzenden Reben zu schaffen. Auf manchen Flächen wird auch eine mehrjährige Brache eingelegt, um der Monokultur Reben zu begegnen.

Der Großteil der Winzer ist jetzt jedoch mit dem Abstich der Jungweine von der Hefe im Keller beschäftigt. Die ersten 2020er Weine wurden schon abgefüllt und werden zusammen mit den Vorjahrgängen an Weinfreunde in ganz Deutschland und darüber hinaus geliefert. Hier heißt es für viele Winzer mit ihren Transporten mehrmals wöchentlich „on the road again“. Andere verschicken die Weine mit Paketdiensten oder Speditionen, denn ein Besuch im  Weingut ist derzeit nicht so erlebnisreich wie in sonstigen Jahren.

Alte Rebstöcke © Udo Diel