Der erste Blick auf den Weinjahrgang 2020

Der 2020er wird sehr gut, das kann man ohne Zweifel vorweg schon sagen. Die Erträge zeigen zwar aufgrund der langanhaltenden Trockenheit kein einheitliches Bild, dafür die Qualität umso mehr.

Einen Jahrgang mit Zwillingszahl gab es das letzte Mal vor 101 Jahren. Der 1919er war allerdings alles andere als gut. Wenn man den Annalen glaubt gab es einen sehr regnerischen Sommer mit wenig Sonnenschein und die hohe Luftfeuchte führte zu starkem Befall mit Pilzkrankheiten. Der Ertrag lag nur bei ca. 3.000 Liter vom Hektar. Die Weine hatten teilweise einen starken Essiggeruch, so dass der Jahrgang allenfalls als befriedigend eingestuft wurde.

Ganz anders sieht es dagegen beim 2020er aus. Die Erträge lagen in einzelnen Parzellen, wo die Rebstöcke mit homöopathischen Niederschlagsmengen auskommen mussten, zwar auch nur bei 3.000 Liter je Hektar. Der Durchschnitt liegt jedoch in Rheinhessen bei mindestens einmal der dreifachen Menge und damit im langjährigen Mittel. Je nachdem ob die Reben bereits im April Frostschäden abbekamen, in welcher Gemarkung die Weinberge lagen und wieviel Niederschläge dort im Sommer fielen, wie die Wasserspeicherkapazität der Böden war, wie das Wetter in der Blüte war, wie alt die Weinberge sind (alte Reben haben tiefere Wurzeln) und wie abhängig von der Zeilenrichtung Sonnenbrandschäden auftraten fielen die Erträge sehr unterschiedlich aus. Und je nachdem wir groß die Schnittmengen der oben genannte Faktoren in einem Weingut vertreten sind, konnten die einzelnen Weingüter ganz unterschiedliche Erträge erzielen. Da gibt es doch ab und zu den einen oder anderen neidischen Blick zum Nachbarn. Daran muss man sich als Winzer im Zeichen des Klimawandels aber wohl gewöhnen.

So langsam sollte auch der letzte Zweifler merken, dass die Jahre immer wärmer werden, dass die Extremwetterereignisse zunehmen und auch die Niederschläge gerade in der Vegetationszeit sehr scharf abgegrenzt fallen und zum bestimmenden Faktor der Erntemenge avancieren. Die alte Winzerregel, dass es von der Blüte bis zur Erntereife der Trauben 100 Tage dauert, ist unisono wortwörtlich langsam überholt. Die Reben treiben immer früher aus, das Wachstum beschleunigt sich und die Lese findet immer früher bei heißen Sommertemperaturen statt. Die Nachtschicht für den Traubenvollernter und die Frühschicht für die Handleser werden ganz normal werden, Kühltechnik im Kelterhaus zur Standardausstattung.

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Doch nun zur Qualität, von der die dieses Jahr alle Winzer gleichermaßen begeistert waren und auf die sich die Weinfreunde schon jetzt freuen dürfen. Kerngesundes Lesegut, vollreife Trauben, eine hervorragende Färbung der Rotweinsorten, eine milde Säure und bei zeitgerechter Lese auch moderate Alkoholgehalte für trockene Weine mit gutem Trinkfluss.