Weinlese 2013 (5.)

Lässiger Start, ein Ende in großer Eile und mit viel Glück

Viel Geduld hat dieser Herbst den Winzern abverlangt. Alle Vorbereitungen im Kelterhaus waren getroffen, aber die Trauben waren einfach noch nicht so reif, wie das in den vergangenen Jahren Anfang September der Fall war. Die alten Winzer kannten noch die Oktoberlese, die meisten jungen Winzer waren doch eher den Septemberherbst gewohnt. Es galt, jeden der wenigen Sonnentage zu nutzen, um die bis dato moderaten Mostgewichte zu steigern und die knackige Säure abzubauen.

Die Gründe für diese späte Lese lagen ziemlich genau 100 Tage zurück. Das ist genau der Zeitraum, den die Trauben für ihre Entwicklung ab der Blüte brauchen. Der Juni war 2013 nass und kühl. Die Blüte kam infolgedessen nur sehr schleppend in Gang. In den frühen Lagen am Rhein und im südlichen Rheinhessen begann sie zwar wie im Durchschnitt der Jahre Anfang Juni, zog sich aber über mehrere Wochen hin und führte infolgedessen zu einem verminderten Fruchtansatz. In den späten Lagen im Hügelland blühten die Trauben erst mit dem Wechsel zu sommerlichen Temperaturen Ende Juni, also erst 10 bis 14 Tage später als im langjährigen Durchschnitt. An diesem Rückstand konnte auch der wunderschöne Sommer nichts ändern. Gerade an extrem heißen, trockenen Tagen, wie wir im Juli einige hatten, stockt das Wachstum der Weinberge.

Sorgen musste man sich um diese späte Entwicklung jedoch zunächst einmal nicht. Die Aromen entwickeln sich bei moderaten Tagestemperaturen und kühlen Nachttemperaturen viel intensiver als bei heißen Tagen und warmen Nächten, nur regnen sollte es eigentlich eher nicht. Als der aber dann doch kam, haben sich alle Maßnahmen, die die Besonnung und Abtrocknung der Trauben begünstigten, also gute Laubarbeit insbesondere die Entblätterung und die Ausdünnung der Traubenzone, bezahlt gemacht. So waren dieses Jahr auch die Qualitätsunterschiede innerhalb der Weinberge abhängig von der Bewirtschaftung und vom Ertrag. Das Menge-Güte-Gesetz kam wieder einmal voll zum Tragen.

War der Lesebeginn doch eher von zögernder Zurückhaltung geprägt, so musste es nach dem ersten Oktoberwochenende ganz schnell gehen. An diesem Samstag wurde Rheinhessen von einer gesamten Monatsration Regen geduscht. Einige Tage später waren die Folgen an den Trauben ersichtlich. Nachdem die Wurzeln das Wasser in die Rebstöcke transportiert hatten, platzten die Trauben regelrecht auf und Fäulnis machte sich überall breit. Premiumweine konnten nur noch über eine selektionierte Handlese eingebracht werden. Für das Gros der Weine leisteten die vielen Traubenvollernter ganze Arbeit, so dass auch diese Trauben zeitgerecht und ohne große Mengenverluste geerntet werden konnten. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Winzer in Rheinhessen dann die Ärmel hochkrempeln, alle Kräfte mobilisieren und wenn es sein muss auch die Nacht zum Tage machen.

Aus den gekelterten Trauben haben sie letztendlich das Beste gemacht und die meisten von ihnen sind auch recht zufrieden, je nach Produktionsziel auch begeistert. Es wird dieses Jahr keine Mostgewichtsrekorde geben, das Thema Eiswein dürfte komplett erledigt sein. Die Weinfreunde können sich dagegen auf fruchtige, frische Weißweine mit jeder Menge Trinkspaß freuen. Auch bei den Rotweinen präsentieren sich die Dornfelder von ihrer besten Seite. Herausstechen konnten dieses Jahr die Spätburgunder-Trauben, die allen Wetterkapriolen trotzten und lange bei bester Gesundheit reiften.

Die ersten Zahlen sind auch schon bekannt: Über ganz Deutschland betrachtet rechnet das Deutsche Weininstitut mit einer 8% kleineren Ernte als im langjährigen Durchschnitt. Für Rheinhessen sieht „die erste Hochrechnung“ wesentlich günstiger aus, hier rechnet man mit einer evtl. sogar leicht überdurchschnittlichen Erntemenge.

Die Winzer haben die nächsten Wochen im Keller noch etwas Arbeit. Teilweise gären die Moste noch, Entsäuerungsmaßnahmen stehen noch an und dann sollen die Weine auch noch etwas zur Ruhe kommen. Jetzt müssen sich wohl die Verbraucher gedulden, denn vor Weihnachten wird es dieses Jahr noch nicht allzu viele 2013er geben.

Quelle: www.rheinhessen.de

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