Von Bauernregeln, Klimawandel und dem Jahrgang 2011

Die Weinberge stehen dieses Jahr prächtig – und trotzen dem fehlenden Regen

„April, April, der weiß nicht was er will“, diese Wetterregel steht eigentlich für die extremen Wetterwechsel, die charakteristisch für diesen Monat sind. In 2011 war das alles anders. Nach einem schon trockenen März zeichnete sich dieser April durch Beständigkeit aus: trocken und sonnig. Es fielen gerade mal 17% der sonst üblichen Regenmenge und jeden Tag schien die Sonne. Innerhalb der letzten 5 Jahre ist das bereits nach 2007 und 2009 der dritte extrem trockene und sonnenreiche April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mit 240 Sonnenscheinstunden übertraf er sein Soll von 152 Stunden um 59 Prozent.

Und auch der Mai geht munter so weiter, zumindest was die Trockenheit betrifft. In großen Teilen Rheinhessens hat es seit 10 Wochen nicht mehr geregnet. Den Rebstöcken macht das derzeit noch nicht viel aus. Sie haben mehrere Meter tiefe Wurzeln und brauchen auch erst nach der Blüte, wenn sich die Trauben füllen, richtig viel Wasser. Auch bei den Tagestemperaturen hat sich Anfang Mai nicht viel geändert, wenn da nicht diese eine Frostnacht vom 3. auf den 4. Mai gewesen wäre. Mit Temperaturen von bis zu minus 5° Celsius am frühen Morgen hat es einige Gemarkungen kalt erwischt. Die Reben waren in ihrer Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten und die jungen Triebe sind im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen extrem empfindlich gegen Frost. Im Schnitt sind in Rheinhessen etwa 20 bis 25% der Reben erfroren. Das betrifft im Gegensatz zu Winterfrösten allerdings „nur“ den Ertrag für dieses Jahr, denn „ein Maifrost hat noch keinen Rebstock umgebracht“, wie die Experten von der Weinbauschule Oppenheim erklären. Die Weinberge werden in einigen Wochen wieder ergrünen, da „schlafende“ Knospen ähnlich wie nach einem Hagelschlag austreiben. Diese können abhängig von der weiteren Witterung auch noch einen kleinen Traubenertrag hervorbringen.

Die alten Winzer haben für diese Wettersituationen oft noch die Bauernregeln parat, die mit erstaunlicher Treffsicherheit die Situation darstellen. Sie beruhen auf astrologisch beeinflussten Regeln, die auf meteorologische Beobachtungen des Altertums fußen, aber auch aus der Naturbeobachtung der deutschen Landbevölkerung, in der manchmal noch Reste deutscher Mythologie stecken.

Beispielhaft einige für Winzer bedeutsame Bauernregeln:

  • Abendtau und Kühl im Mai bringet Wein und vieles Heu.
  • Gehn die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchhei.
  • Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass.
  • Kühler, nicht nasskalter Mai bringt guten Wein und viel Heu.

Waren bei den Bauernregeln für die ersten Maiwochen eher kühle und feuchte Wetterlagen gewünscht, wechselt das für den 25. Mai ins Gegenteil, denn da ist Sankt-Urbans-Tag. Der St. Urban ist der Schutzpatron der Winzer:

  • Viele Sonne bringen muss St. Orben, sonst die Trauben leicht verdorben.
  • Wenn der Urban kein gut‘ Wetter hält, das Weinfaß in die Pfütze fällt.
  • Urban lass die Sonne scheinen, damit wir nicht beim Weine weinen.
  • Der Urban mit viel Sonnenschein, der segnet unsere Fässer ein.

Manchmal schieben sich die Tage etwas, so kamen dieses Jahr die Eisheiligen etwas früher, die Aussagen selbst bleiben jedoch bestehen, wenn diese aus der Historie heraus in der Regel auch eher quantitative denn qualitative Aussagen enthalten. Für den 25. Mai ist derzeit auf jeden Fall eher trockene, mäßig warme Witterung gemeldet.

So wundert es auch niemanden, dass jetzt schon erste Spekulationen um den Jahrgang 2011 die Runde machen. Die Mengenerwartungen sind durch die Maifröste gedämpft, nicht nur im größten deutschen Anbaugebiet Rheinhessen. In punkto Qualität ist dagegen noch alles drin, immerhin steht der Jahrgang 2011 in einer Zahlenreihe mit den beiden Jahrhundertjahrgängen 1811 und 1911. Der derzeitige Entwicklungsstand der Reben liegt etwa 2 Wochen vor dem langjährigen Mittel, in guten Lagen kann Ende Mai die Blüte einsetzen. Die Reben stehen prächtig. 100 Tage dauert es in der Regel von der Blüte bis zur Lese. Der Grundstein für einen guten Jahrgang ist gelegt. Ein alter Winzersatz sagt, dass man den Jahrgang nicht eher loben soll, bis er im Keller ist. Vorher ist alles Spekulation, aber genau das macht ja das Naturprodukt Wein so interessant und niemals langweilig.

Quelle: Rheinhessenwein Newsletter

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s