Laserstrahl, Propeller und Schüttelstäbe

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Innovationen in der Weinbautechnik zur Qualitätssteigerung

Sattelitengesteuerte Pflanzmaschine (Quelle: Wagner Pflanzentechnik)

moderner Traubenvollernter (Quelle: Ero Gerätebau)

Ausdünnen mit einem umgebauten Traubenvollernter (Quelle: Oswald Walg)

Maschinelle Entblätterung mit dem Laubsauger (Quelle: Ero Gerätebau)

Neuentwicklung „Oppenheimer Traubenbürste“ (Quelle: DLR Oppenheim)

Entblätterer zu Reifebeginn der Trauben (Quelle: Binger Seilzug)

Der Weinbau hat schon eine lange Tradition. Jahrtausende war die Arbeit in den Reben von körperlicher Anstrengung geprägt. Die Innovationen und der technische Fortschritt der vergangenen 30 bis 40 Jahre waren jedoch gigantisch. Standen zu Beginn dieser Periode die Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung im Fokus der Entwicklung, so ist es in den vergangenen 10 Jahren eher die Qualitätssteigerung der Trauben. Hier wird wie in anderen Branchen mittlerweile modernste Technik eingesetzt.

Beginnt man die Betrachtung mit der Neuanlage eines Weinbergs, so wurden vor einer Winzergeneration die Reben noch mit Spaten oder speziellen Pflanzeisen in die Erde gegraben. Um gerade Zeilen anzulegen wurden Drähte gespannt oder Furchen gezogen. Heute wird ein Weinberg mit einer Laser- oder gar Satteliten-gesteuerten Pflanzmaschine angelegt. Durch die nochmalige intensive Lockerung des Pflanzgrabens wachsen die jungen Reben sogar noch besser als bei der Handpflanzung. Die Wurzeln können bei der maschinellen Pflanzung länger sein und der Rebe somit mehr Reservestoffe zur Verfügung stellen.

Den wohl größten Quantensprung in der Arbeitserleichterung für die Winzer hat in den 80er Jahren die Entwicklung des Traubenvollernters gebracht. Der Zeitbedarf pro ha Rebfläche konnte mit der maschinellen Traubenlese von etwa 500 Stunden auf 350 Stunden gesenkt werden. Doch auch hier geht die Entwicklung jetzt mehr auf qualitative Aspekte des Lesegutes ein. Schonendere Ernteköpfe mit langen Schüttelstäben, die den Rebstock viel sanfter behandeln oder integrierte Entrapper sorgen dafür, dass auch die letzten Blätter und Blattstiele aus dem Lesegut entfernt werden. Überhaupt trägt der Traubenvollernter durch sein Grundprinzip des Abschüttelns nur reifer Beeren, dessen Grad durch die Rüttelfrequenz gesteuert werden kann, dazu bei, dass unreifes Lesegut zusammen mit dem Stielgerüst (dem Rappen) am Rebstock verbleibt. Nur eine Selektion des Lesegutes konnte der Vollernter bislang noch nicht vornehmen. Daran arbeiten die Konstrukteure derzeit eifrig: lichtimpulsgesteuerte Traubensortierbänder gibt es seit einigen Jahren schon, diese müssen jetzt nur noch in den Traubenvollernter integriert werden.

In der jüngsten Vergangenheit laufen Versuche, den Traubenvollernter zum Ausdünnen einzusetzen. Diese „grüne Lese“ zur Reduzierung der Erntemenge und damit zur Qualitätssteigerung verschlingt als Handarbeit sehr viel Zeit für die Weingüter. Jetzt probiert man einen Teil der Trauben oder noch besser Traubenteile durch eine Zeilenüberfahrt mit einem auf die Schüttelwerkzeuge reduzierten Vollernter kurz vor dem Reifwerden der Beeren zu entfernen. Problematisch ist dabei, dass die Trauben evtl. beschädigt werden, so dass man diese Arbeit nur verrichten kann, wenn hinterher trockene Witterung zum Abtrocknen evtl. beschädigter Trauben und damit zur Fäulnissvermeidung prognostiziert wird.

Zum Ausdünnen sind auch die folgenden Innovationen gedacht: Der Laubsauger, ein Gerät das mit einem großen Propeller Blätter und auch Triebe anzieht und diese dann abschneidet, wird während oder kurz nach der Blüte, wenn die Trauben waagerecht stehen und noch nicht hängen, eingesetzt. In dieser Phase können Blätter abgeschnitten werden, aber auch Trauben geteilt oder ganz abgeschnitten werden.

In der Phase der Blüte haben einige wenige rheinhessische Spitzenbetriebe ihre Trauben „gekämmt“. Mit Hilfe eines ganz normalen Haarkammes werden so einige Fruchtansätze von der Traube getrennt und die Trauben werden lockerbeeriger, was der Qualität absolut zugute kommt. Diese Tätigkeit wird jetzt auf zweierlei Wegen nachempfunden. Einmal die chemische Methode mit sogenannten Bioregulatoren, die dazu führen, dass die Trauben in der Blüte verrieseln und dann auch lockerbeeriger werden. Zum anderen entwickelt die Weinbauschule in Oppenheim derzeit ein mechanisches Verfahren, die „Oppenheimer Traubenbürste“. Mit Hilfe von an einer Walze montierten Kunststofffäden wird ein Teil zukünftigen Beeren aus den Trauben geschlagen, was die Traubenstruktur abhängig von der einzustellenden Drehzahl mehr oder weniger auflockert.

Etwas später in der Vegetationsperiode, etwa Mitte August, wird der Entblätterer eingesetzt. Dieser besteht in der Regel aus gegenläufigen Walzen, die die Blätter im Bereich der Trauben abzupfen. Dadurch wird das mühsame Entblättern mit der Hand voll mechanisiert. Die Trauben werden besser durchlüftet, trocknen schneller ab und bleiben dadurch länger gesund. Die Trauben erhalten außerdem mehr Sonne, was insbesondere bei den Rotweinsorten zu stärkerer Farbausprägung beiträgt.

Quelle: Newsletter Rheinhessenwein e.V.

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2 Gedanken zu “Laserstrahl, Propeller und Schüttelstäbe

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