Opafreuden

Ein Beitrag von Seniorchef Willi Kaul (geschrieben im Frühjahr, veröffentlicht leider erst jetzt):

Laurine
Laurine

Ich war im Weinberg, Reben schneiden als sich das Handy meldete. Am anderen Ende meine Frau Hannelore: „Komm schnell heim, Laurine (unsere kleine Enkelin 2 Jahre und 11 Monate alt) hat sich im Bad eingesperrt.“

Gott, das arme Kind, dachte ich und saß schon im Auto. Mir ging durch den Kopf wie Emeline, ihre große Schwester, als sie noch klein war, sich auch mal eingeschlossen hatte und fast in Panik geraten war. Nach viel gutem Zureden gelang es ihr die Tür wieder aufzuschließen. War das eine Erlösung damals.

Und nun die Kleine, was wird die für Angst haben, dachte ich besorgt, hoffentlich bleibt sie ruhig.

Schnell war ich zu Hause. Hannelore empfing mich erleichtert und berichtet, dass Laurine den Schlüssel abgezogen hat und sich weigert, nach einigen Fehlversuchen, die Tür aufzuschließen.

„Ich warte auf den Opa“…

Gott sei dank, keine Panik. Sie werkelt im fensterlosen Bad rum. Durch das Schlüsselloch sehe ich, dass sie die Dose mit Melkfett in der Hand hat.
„Was machst Du?“
„Ich mache das Bad sauber“
„Komm, schließ die Tür auf“
„Nein“
„Los kommt, mach die Tür auf, probiers noch mal“

Es gibt leider keinen Ersatzschlüssel.

Endlich sucht sie den Schlüssel und versucht mehrmals ihn im Schloss unterzubringen. „Es geht nicht“ ruft sie und werkelt weiter im Bad. Kein Anzeichen, dass sie raus will. Mir fällt ein, dass ich ein Sammelsurium von alten Schlüsseln in der Werkstatt liegen habe, doch keiner passt.

Die besorgten Oma, Mama und Emeline, die dabei stehen, nerven; „Wie kriegen wir die bloß hier raus, Opa mach doch was.“ Ich überlege, Tür aufbrechen, Schloss aufbohren und ähnliche Gewaltakte verwerfe ich als allerletzte Möglichkeit.

Da kommt mir die Erleuchtung. Unten an der Tür sind knappe 10mm Luft, Platz genug um einen Schlüssel durchzuschieben.

„Laurine guck mal, reich mir bitte den Schlüssel da unten raus.“ Durch´s  Schlüsselloch sehe ich, dass die Kleine das Bad und die Toilette eifrig mit Melkfett  „eincremt“. „Nein, das ist mein Schlüssel“ tönt es durch die Badtür. Wenn die Not am Größten ist, kommen meistens auch die besten Einfälle. Ich nehme einen der anderen Schlüssel und schiebe ihn halb unter der Tür durch. „Laurine, guck mal, komm wir tauschen, gib mir deinen Schlüssel, ich gebe dir meinen“. Das war´s, darauf lässt sie sich ein. Erleichtert schließe ich die Tür auf und öffne sie.

Da steht der kleine „Teufel“, strahlt uns glänzend (vom Melkfett) und fröhlich an und sagt gelassen: „´s geht doch“! Da fällt auch einem erfahrenen Opa nix mehr ein.

Willi Kaul

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