Prof. Hans R. Schultz: Klimawandel im Weinbau

Sonnenuntergang am DämmerbergDas Thema Klimawandel ist in aller Munde, auch wir haben an dieser Stelle bereits darüber nachgedacht, am anderen Ende der Welt macht man sich auch so seine Gedanken, in Köln waren es am 15. April über 30 Grad und die Freibäder lassen hektisch Wasser in ihre Becken, um die Eröffnung der Badesaison vorzuziehen.

Ist das ein zufälliges meterologisches Phänomen oder doch der Vorbote bzw. die Ausprägung des Klimawandels?

Für Prof. Hans R. Schultz von der Forschungsanstalt Geisenheim (auf dem Bild in seinem Freizeit-Outfit, dem WEINELF-Trikot) ist die Sache klar:

Wir stecken mittendrin in der Entwicklung.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel für den Weinbau? Prof. Schultz hat sich am 23. April beim Internationalen Riesling-Symposium in Stuttgart zu diesem Thema geäußert und uns eine Zusammenfassung seines Vortrages zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank dafür!

Riesling und der Klimawandel – Wann wird die Lage kritisch?

Hans R. SchultzNach dem neuesten Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Global Climate Change, 2007) werden sich die klimatischen Bedingungen in weiten Teilen der Erde noch drastischer und schneller verändern, als dies von den vorhergehenden IPCC Berichten (1998, 2001, Houghton 2001) prognostiziert wurde. Dabei stehen in der populären Presse vor allem die Temperaturerhöhung und die Veränderungen im Wasserkreislauf im Vordergrund, wobei letzteres ein deutlich höheres Unsicherheitsniveau in Bezug zu regionalen Veränderungen aufweist, als die Temperaturfrage. Beide Bereiche sind aber miteinander gekoppelt und so kann man sie auch nicht vollkommen losgelöst von einander betrachten.

Im Weinbau hat sich teilweise über Jahrhunderte eine Balance zwischen Anbauverfahren, Sorte, Boden und Klima herausgebildet. Dies gilt vorwiegen für die klassischen Rebsorten, unter anderem auch für den Riesling. Die nachhaltigen klimatischen Veränderungen werden diese Balance stören und letztendlich das Produkt in seinem Charakter verändern.

Mehr als der reine Temperaturanstieg sollte dem Weinbau in unseren Breiten aber eine andere, weit weniger bekannte Prognose, „Kopfzerbrechen“ bereiten und das ist der Anstieg in der Variabilität bzw. den Schwankungen der Temperatur.

Hier liegen die Prognosen für den Temperaturanstieg des für den Weinbau relevanten Teils des europäischen Kontinents bei >5 °C für große Teile des Mittelmeerraumes und bei 3 bis 5 °C für die deutschen Weinbaugebiete. Bedeutungsvoller ist dabei aber, dass die Variabilität, also die Schwankungen zwischen den Jahren bzw. zwischen einzelnen Phasen innerhalb der Vegetationsperiode, gerade für den klimatischen Bereich unserer Weinbaugebiete, extrem ansteigen wird.

Da Schwankungen in der Temperatur auch starke Schwankungen in den Niederschlagsereignissen nach sich ziehen, könnte dies für unsere Weinbaugebiete bedeuten, dass 2006 eher noch als 2003 ein Blick in die Zukunft war. Zusätzlich werden die Nachttemperaturen schneller steigen als die Tagestemperaturen, was bereits vielen Beobachtungen in europäischen Weinbauregionen über die letzten 30 Jahre entspricht und sich in einem oben angeführten Wetterszenario auch negativ bei der Krankheitsproblematik auswirken wird.

Der Riesling gilt zwar als relativ stabile Rebsorte, allerdings wird er zu einem großen Teil in Weinbergslagen angebaut, die vom Klimawandel stärker als andere betroffen sein werden, den Steillagen. Zum einen sind diese Lagen meist flachgründig und Wasser ist oftmals ein Minimumfaktor. Dadurch ist eine Begrünung in vielen dieser Lagen nur eingeschränkt möglich. Zum anderen werden höhere Einzelniederschläge in Hanglagen die Wasserverluste durch Oberflächenabfluss stark steigern, vor allem dann, wenn keine Begrünung vorhanden ist, um diese zumindest teilweise aufzunehmen. Die Neigungsstärke der Lagen spielt hierbei eine entscheidende Rolle und je größer diese ist, desto negativer wird sich der Wasserhaushalt der Rebbestände in der Zukunft entwickeln. Zusätzlich werden sich die veränderten Temperaturen und Niederschläge stark auf die Abbauraten von organischem Material im Boden auswirken. Dies wird eine Anpassung der Humuswirtschaft, der Unterlagenwahl und der Bodenmanagementstrategien erforderlich machen.

Bisher waren die klimatischen Entwicklungen im allgemeinen positiv für den deutschen Weinbau, allerdings wird die Zukunft einige Herausforderungen für einen erfolgreichen Rieslinganbau bringen.

Wir bedanken und bei unserem WEINELF-Mitstreiter Prof. Schultz für die Mitarbeit!

Andreas

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