Reben häckseln – Futter für das Bodenleben

Der Rebschnitt in den Weinbergen neigt sich dem Ende zu. Auch das Ausheben, also das Entfernen des abgeschnittenen Rebholzes, wird in den nächsten Tagen erledigt sein. Doch was passiert mit dem Rebholz auf dem Boden?

Das verRebhäckselnbleibt im Weinberg und wird jetzt im Frühjahr mit dem Schlepper und einem angebauten Mulchgerät kleingehäckselt. Die verholzten Triebe des vergangenen Jahres verrotten dann über den Sommer ganz langsam, bauen damit Humus auf, der wiederum nach und nach Mineralstoffe als Ernährung für die Reben freisetzt. So schließt sich ein natürlicher Kreislauf. Daran nicht unbeteiligt sind viele viele Regenwürmer, die sich über die Nahrung freuen und mit dem was sie verdaut haben den Weinbergsboden verbessern. Nebeneffekt der Zerkleinerung der Reben ist auch, dass man bei den folgenden Weinbergsarbeiten nicht über die langen Triebe stolpert.

Die Alternative zum Rebschnitt

Viele Winzer und noch viel mehr „Saisonarbeitskräfte“ stehen schon seit Wochen im Weinberg, um die Reben zurückzuschneiden. Der Rebschnitt ist immer noch die aufwändigste Handarbeit im Winzerjahr. Viele Winzer suchen deshalb nach einer Alternative. Die ist eigentlich ganz einfach: nicht schneiden. Der Fachbegriff für diese Erziehungsart ist „Nichtschnitt“ oder „Minimalschnitt“.

Hier wird im Winter einfach gar nichts abgeschnitten, lediglich im Sommer wird alles was über die „Hecke“ hinauswächst mit einem speziellen Laubschneider abgeschnitten. So ganz einfach lässt sich jedoch nicht jeder Weinberg auf diese Erziehungsart umstellen. Die Drahtanlage muss stärker ausgebildet sein, außerdem sind die Zeilen breiter. Die Arbeitsersparnis liegt, da auch das sich sonst anschließende Umbiegen der Ruten und auch die Heftarbeiten entfallen, bei weitem über der Hälfte der Arbeitsstunden. Dadurch können die Betriebe wesentlich größere Flächen bewirtschaften und den Wein auch kostengünstiger erzeugen.Auf die Qualität hat diese Erziehungsart nur in den ersten zwei bis drei Jahren einen Einfluss, da diese sofern alle Knospen austreiben, durch die immens hohen Erträge leidet. Aber auch hier kann man durch eine gezielte Ausdünnung von Trauben Abhilfe schaffen. Nach diese Einführungsphase überwiegen die Vorteile gegenüber der klassischen Spaliererziehung, da die Triebe teilweise verholzen und weniger Knospen austreiben. Da aber immer noch mehr Triebe wachsen wirkt der gefürchtete Maifrost nicht so stark aus. Die Trauben werden insgesamt kleiner, haben eine dickere Schale und sind damit weniger fäulnisanfällig. Durch die vielen Trauben verzögert sich die Reife, was in Zeichen der Klimaverschiebung eine spätere Lese bei kühleren Temperaturen ermöglicht.

MinimalschnittDer Minimalschnitt sieht zwar auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich aus, wird Ihnen aber in Zukunft aus arbeitswirtschaftlicher Sicht immer öfter beim Spaziergang durch die Weinberge begegnen.

Ruhige Zeiten im Weinberg – Winzer on Tour

Die kunterbunten Blätter fallen jetzt durch den Herbstwind der vergangenen Tage vollends zu Boden. Trauben zur Eisweingewinnung hängen dieses Jahr bestimmt nicht mehr viele, da die Hoffnungen durch den vielen Regen zunichte gemacht wurden. Auch das Roden der Weinberge, die neu bestockt werden sollen, ist jetzt erledigt. Mit den kürzeren Tagen und der zunehmenden Dunkelheit ist jetzt Ruhe in den Weinbergen eingekehrt

Die Winzer sind jetzt im Keller mit dem 1. Abstich, also der Trennung von Hefe und Wein beschäftigt. Anschließend reifen die Jungweine noch einige Monate auf der Feinhefe. Die ersten Weine wurden bereits abgefüllt und erlauben einen vielversprechenden Preview auf den Jahrgang 2019. Immer intensiver beschäftigen sich die Weingüter mit dem Thema Glühwein, da die Weingenießer zunehmend einen guten Winzerglühwein zu schätzen wissen und auch bereit sind, dafür ein paar Cent mehr auszugeben.

Viele Winzer sind jetzt in ganz Deutschland mit ihren Transportern unterwegs, um ihre Kunden mit Wein zu beliefern. Die Kunden freuen sich schon darauf, dass ihr Winzer mal wieder persönlich vorbeischaut, um den Feiertagswein vorbeizubringen. Gerade die Zeit im November und Dezember ist für die Vermarktung der Weine besonders wichtig. In diesen beiden Monaten machen einige Weingüter nahezu die Hälfte ihres Jahresumsatzes.

Quelle : Rheinhessen

 

Preview auf den 2019er – hervorragend in der Qualität und neidvoll in der Menge

Die Traubenlese ist weitestgehend beendet. Die Weine sind im Keller und damit kann man sich an eine erste Einschätzung des 2019ers wagen („Man soll der Jahrgang nicht eher loben, bis er im Keller ist“).

Doch dazu zunächst ein Blick zurück auf das Vegetationsjahr 2019. Es begann auch dieses Jahr bedingt durch den warmen April mit einem frühen Austrieb. Im Mai folgte jedoch ein Kälteeinbruch, der die schnelle Entwicklung jäh ausbremste. Gut, dass es nicht so kalt war, dass es zu Maifrostschäden kommen konnte. Die Blüte verzögerte sich entsprechend, so dass nach der Regel, dass die Trauben 100 Tage nach der Blüte reif sind, auch vorhersehbar war, dass die Weinlese dieses Jahr nicht so früh wie im vergangenen Jahr beginnen wird.Das Jahr 2019 begann recht trocken, auch im Winter und Frühjahr blieben nennenswerte Niederschläge, die die Bodenwasservorräte hätten auffüllen können, aus. In traditionellen Hanglagen und auf weniger tiefgründigen Böden zeigten die Reben im Juni ersten Trockenstress. Der Juli sorgte dann für den Neid in der Erntemenge des Jahres: Während in manchen Regionen bis zum Doppelten der normalen Regenmenge fiel blieb es in anderen Regionen, insbesondere in der Mitte Rheinhessens rund um den Petersberg, gänzlich trocken. Hier konnten sich die Trauben nicht richtig füllen, die Laubwände blieben klein und die extrem heiße Sonne der letzten Julitage konnte die Trauben mangels Schatten durch Blätter erbarmungslos verbrennen. Hier galt es, immense Sonnenbrandschäden von bis zu 40% zu verschmerzen. Die scharf abgegrenzten Extremniederschläge sind neben den ausgedehnten Hitzeperioden Ausfluss des Klimawandels, auf den sich die Winzer wohl einstellen müssen.

So begann auch die Weinlese relativ verzettelt. Während man in den gut mit Wasser versorgten Regionen insbesondere im südlichen und östlichen Rheinhessen Anfang September anfing zu lesen, mussten sich die weiteren Winzer infolge der durch den Wassermangel verzögerten Entwicklung noch etwas gedulden und stiegen erst um den 20. September richtig in die Weinlese ein. Dass es nirgendwo die hohen Erträge des vergangenen Jahres geben würde, war schnell klar, dass diese aber mancherorten nur etwa Zweidrittel einer normalen Ernte ausmachen würden, kam für die betroffenen Winzer doch etwas überraschend. Nur weniger Kilometer weiter zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild von ganz normalen bis sogar richtig guten Erträgen. Unter Winzern formuliert man dazu den Begriff des „neidischen Herbstes“. Die Anfang Oktober einsetzenden Niederschläge führten so auch zu einem schnellen Abschluss der Weinlese, um nicht über einsetzende Fäulnis nochmals Menge einzubüßen. Die Menge könnte im Durchschnitt Rheinhessens leicht unter dem langjährigen Mittel bei etwa 8.000 bis 8.500 Litern je Hektar liegen.

Allen gemeinsam ist jedoch die Qualitätseinschätzung des Jahrgangs. Die setzt dem schon sehr guten 2018er nochmals eines drauf. Die kühlen Nächte der letzten Septembertage sorgten für ordentlich Aroma in den Beeren. Die Mostgewichte stiegen bei vielen Rebsorten in den optimalen Reifebereich von 85 bis 90 Grad Oechsle, wodurch die Weine ihre sortentypische Fruchtigkeit und mit moderaten Alkoholgehalten einen leichten Trinkfluss behalten. Dies wird durch die etwas kräftigeren Weinsäuregehalte unterstützt, und die Weine werden auch nach einer gewissen Lagerung noch jugendlich frisch schmecken.

Dieses Jahr wird es zwar durch die guten Lagervorräte aus dem vergangenen Jahrgang nicht zu einer solchen Vielzahl von frühen Abfüllungen kommen wie 2018, als bedingt durch die geringe 2017er Ernte alle Vorräte ausgetrunken waren. Die ersten Weine werden dennoch bestimmt in einigen Wochen präsentiert. Freuen Sie sich auf das was da kommt.

Quelle: Rheinhessen

Die Weinlese beginnt-und ist so unterschiedlich wie selten zuvor…

In Rheinhessen hat die Weinlese begonnen, aber noch nicht überall so richtig und gerade darin zeigen sich auch gleich die enormen Unterschiede in der Reifeentwicklung der Trauben.

Im Wonnegau, dort wo es dieses Jahr am meisten geregnet hat, ist die Weinlese in vollem Gang.  In der Mitte Rheinhessens, an den Hügeln um Alzey, ist es noch sehr ruhig. Hier hat es extrem wenig geregnet, so dass die Traubenreife etwas verzögert ist und die vom Sonnenbrand verschonten Trauben sich noch kerngesund präsentieren. Entlang des Rheins sind durch die Regenfälle des ersten Septembers einige Trauben aufgeplatzt, so dass in diesen Parzellen gar Eile mit der Lese geboten ist.Die starken Unterschiede in den Niederschlägen, teilweise von Weinlage zu Weinlage scharf abgegrenzt, dürften sich auch in den Erträgen bemerkbar machen.

Die großen Erträge des vergangen Jahres werden bei weitem nicht erreicht werden, wahrscheinlich läuft es für Rheinhessen auf einen Ertrag leicht unter dem langjährigen Durchschnitt hinaus. Die Qualität sieht klasse aus, auch die Weinsäurewerte zeigen sich frischer als im vergangenen Jahr und zusammen mit den zwar guten aber doch nicht extrem hohen Fruchtzuckergehalten können wir uns auf einen frischen, fruchtigen Jahrgang freuen. Gerade die aktuell kühleren Nächte und die sonnigen Tage fördern jetzt noch die Aromenentwicklung in den Trauben.Traubenvollernter

Aber man soll den Jahrgang nicht früher loben, als er im Keller ist und so sind wir gespannt auf das, was die Winzer in Rheinhessen in den nächsten Wochen aus diesen vielversprechenden Trauben keltern.

Die Trauben werden rot!

Eigentlich werden die meisten Trauben ja nicht rot sondern blau, denn aus roten Trauben (z. B. Grauer Burgunder oder Gewürztraminer) wird Weißwein und aus blauen Trauben der klassische Rotwein. Soweit des Farbenspiels, aber die derzeitige Färbung ist ein weithin sichtbares Zeichen der Reife.

Etwa drei Wochen liegen wir im Moment hinter der extrem frühen Entwicklung des vergangenen Jahres und damit in etwa  im langjährigen Durchschnitt. Das hängt zum einen an der etwas späteren Blüte, aber auch an den extrem heißen Tagen, denn ab etwa 30 Grad Celsius assimiliert die Rebe nicht mehr und die Entwicklung bleibt stehen. Die extreme Sonne hat auch für ordentlich Sonnenbrand an einigen frei hängenden Trauben gesorgt. Die betroffenen Beeren sind mittlerweile eingetrocknet und werden wahrscheinlich bis zur Lese abfallen.Die Arbeiten der Winzer im Weinberg sind jetzt im Wesentlichen abgeschlossen, evtl. erfolgt noch einmal ein Laubschnitt oder ein Mulchen der Begrünung. Ansonsten sind die Winzer jetzt eher wieder im Weinkeller zu finden. Hier werden noch einige Weine abgefüllt, um die Tanks für den neuen Jahrgang frei zu haben. Diese werden dann zusammen mit dem kompletten Keller ordentlich gereinigt. Viele Winzer nutzen die etwas ruhigeren Tage aber auch, um in Urlaub zu fahren und sich für die etwa ab Mitte September anstehende Lese zu erholen. Die ersten Weinberge wurden zwar schon jetzt für Federweißen gelesen, hier handelt es sich aber um einen ganz speziellen Markt, der mit dem allgemeinen Lesestart für Wein noch ganz und gar nichts zu tun hat.

Quelle: Rheinhessen

Die große Aufholjagd ist in vollem Gange

Die Natur gleicht vieles wieder aus – das merken die Winzer derzeit wenn Sie gewissermaßen zusehen können, wie die Triebe wachsen. Waren die Weinberge bis Ende Mai noch fast 2 Wochen hinter der langjährigen Entwicklung, so legen diese in den letzten Tagen einen rasanten Spurt hin, den es aktuell gilt bei den Heftarbeiten zu bewältigen. Dazu kommt der hefige Wind der letzten Tage, bei dem die Triebe gerade weil sie so schnell gewachsen sind ganz leicht abbrechen.

Mittlerweile fangen die Weintrauben an zu blühen und wir liegen damit Mitte Juni wieder im langjährigen Mittel. Die Blüte der Reben ist relativ unspektakulär, die Blüten sind sehr filigran und im Vorbeifahren gar nicht zu sehen. Wer ein feines Näschen hat vernimmt einen leicht süßlichen Duft in der Gemarkung.Sie ist die letzte natürliche Hürde der Ertragsentwicklung des Jahrgangs, von Hagelunwettern mal abgesehen. Die weitere Ertragssteuerung mit dem Ziel der Qualitätssteigerung liegt danach in der Hand der Winzer und wird nach der Blüte sehr gezielt durch Reduktion ganzer Trauben oder auch dem Teilen von Trauben praktiziert.

Mit dem Zeitpunkt der Blüte lässt sich auch der Lesetermin prognostizieren, die Trauben benötigen etwa 100 Tage von der Blüte bis zu Reife, so dass man mit einem Lesebeginn Ende September kalkulieren kann und damit etwa 3 Wochen später als im vergangenen extrem frühen Jahr.

Quelle: Rheinhessen