Preview auf den 2019er – hervorragend in der Qualität und neidvoll in der Menge

Die Traubenlese ist weitestgehend beendet. Die Weine sind im Keller und damit kann man sich an eine erste Einschätzung des 2019ers wagen („Man soll der Jahrgang nicht eher loben, bis er im Keller ist“).

Doch dazu zunächst ein Blick zurück auf das Vegetationsjahr 2019. Es begann auch dieses Jahr bedingt durch den warmen April mit einem frühen Austrieb. Im Mai folgte jedoch ein Kälteeinbruch, der die schnelle Entwicklung jäh ausbremste. Gut, dass es nicht so kalt war, dass es zu Maifrostschäden kommen konnte. Die Blüte verzögerte sich entsprechend, so dass nach der Regel, dass die Trauben 100 Tage nach der Blüte reif sind, auch vorhersehbar war, dass die Weinlese dieses Jahr nicht so früh wie im vergangenen Jahr beginnen wird.Das Jahr 2019 begann recht trocken, auch im Winter und Frühjahr blieben nennenswerte Niederschläge, die die Bodenwasservorräte hätten auffüllen können, aus. In traditionellen Hanglagen und auf weniger tiefgründigen Böden zeigten die Reben im Juni ersten Trockenstress. Der Juli sorgte dann für den Neid in der Erntemenge des Jahres: Während in manchen Regionen bis zum Doppelten der normalen Regenmenge fiel blieb es in anderen Regionen, insbesondere in der Mitte Rheinhessens rund um den Petersberg, gänzlich trocken. Hier konnten sich die Trauben nicht richtig füllen, die Laubwände blieben klein und die extrem heiße Sonne der letzten Julitage konnte die Trauben mangels Schatten durch Blätter erbarmungslos verbrennen. Hier galt es, immense Sonnenbrandschäden von bis zu 40% zu verschmerzen. Die scharf abgegrenzten Extremniederschläge sind neben den ausgedehnten Hitzeperioden Ausfluss des Klimawandels, auf den sich die Winzer wohl einstellen müssen.

So begann auch die Weinlese relativ verzettelt. Während man in den gut mit Wasser versorgten Regionen insbesondere im südlichen und östlichen Rheinhessen Anfang September anfing zu lesen, mussten sich die weiteren Winzer infolge der durch den Wassermangel verzögerten Entwicklung noch etwas gedulden und stiegen erst um den 20. September richtig in die Weinlese ein. Dass es nirgendwo die hohen Erträge des vergangenen Jahres geben würde, war schnell klar, dass diese aber mancherorten nur etwa Zweidrittel einer normalen Ernte ausmachen würden, kam für die betroffenen Winzer doch etwas überraschend. Nur weniger Kilometer weiter zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild von ganz normalen bis sogar richtig guten Erträgen. Unter Winzern formuliert man dazu den Begriff des „neidischen Herbstes“. Die Anfang Oktober einsetzenden Niederschläge führten so auch zu einem schnellen Abschluss der Weinlese, um nicht über einsetzende Fäulnis nochmals Menge einzubüßen. Die Menge könnte im Durchschnitt Rheinhessens leicht unter dem langjährigen Mittel bei etwa 8.000 bis 8.500 Litern je Hektar liegen.

Allen gemeinsam ist jedoch die Qualitätseinschätzung des Jahrgangs. Die setzt dem schon sehr guten 2018er nochmals eines drauf. Die kühlen Nächte der letzten Septembertage sorgten für ordentlich Aroma in den Beeren. Die Mostgewichte stiegen bei vielen Rebsorten in den optimalen Reifebereich von 85 bis 90 Grad Oechsle, wodurch die Weine ihre sortentypische Fruchtigkeit und mit moderaten Alkoholgehalten einen leichten Trinkfluss behalten. Dies wird durch die etwas kräftigeren Weinsäuregehalte unterstützt, und die Weine werden auch nach einer gewissen Lagerung noch jugendlich frisch schmecken.

Dieses Jahr wird es zwar durch die guten Lagervorräte aus dem vergangenen Jahrgang nicht zu einer solchen Vielzahl von frühen Abfüllungen kommen wie 2018, als bedingt durch die geringe 2017er Ernte alle Vorräte ausgetrunken waren. Die ersten Weine werden dennoch bestimmt in einigen Wochen präsentiert. Freuen Sie sich auf das was da kommt.

Quelle: Rheinhessen

Die Weinlese beginnt-und ist so unterschiedlich wie selten zuvor…

In Rheinhessen hat die Weinlese begonnen, aber noch nicht überall so richtig und gerade darin zeigen sich auch gleich die enormen Unterschiede in der Reifeentwicklung der Trauben.

Im Wonnegau, dort wo es dieses Jahr am meisten geregnet hat, ist die Weinlese in vollem Gang.  In der Mitte Rheinhessens, an den Hügeln um Alzey, ist es noch sehr ruhig. Hier hat es extrem wenig geregnet, so dass die Traubenreife etwas verzögert ist und die vom Sonnenbrand verschonten Trauben sich noch kerngesund präsentieren. Entlang des Rheins sind durch die Regenfälle des ersten Septembers einige Trauben aufgeplatzt, so dass in diesen Parzellen gar Eile mit der Lese geboten ist.Die starken Unterschiede in den Niederschlägen, teilweise von Weinlage zu Weinlage scharf abgegrenzt, dürften sich auch in den Erträgen bemerkbar machen.

Die großen Erträge des vergangen Jahres werden bei weitem nicht erreicht werden, wahrscheinlich läuft es für Rheinhessen auf einen Ertrag leicht unter dem langjährigen Durchschnitt hinaus. Die Qualität sieht klasse aus, auch die Weinsäurewerte zeigen sich frischer als im vergangenen Jahr und zusammen mit den zwar guten aber doch nicht extrem hohen Fruchtzuckergehalten können wir uns auf einen frischen, fruchtigen Jahrgang freuen. Gerade die aktuell kühleren Nächte und die sonnigen Tage fördern jetzt noch die Aromenentwicklung in den Trauben.Traubenvollernter

Aber man soll den Jahrgang nicht früher loben, als er im Keller ist und so sind wir gespannt auf das, was die Winzer in Rheinhessen in den nächsten Wochen aus diesen vielversprechenden Trauben keltern.

Die Trauben werden rot!

Eigentlich werden die meisten Trauben ja nicht rot sondern blau, denn aus roten Trauben (z. B. Grauer Burgunder oder Gewürztraminer) wird Weißwein und aus blauen Trauben der klassische Rotwein. Soweit des Farbenspiels, aber die derzeitige Färbung ist ein weithin sichtbares Zeichen der Reife.

Etwa drei Wochen liegen wir im Moment hinter der extrem frühen Entwicklung des vergangenen Jahres und damit in etwa  im langjährigen Durchschnitt. Das hängt zum einen an der etwas späteren Blüte, aber auch an den extrem heißen Tagen, denn ab etwa 30 Grad Celsius assimiliert die Rebe nicht mehr und die Entwicklung bleibt stehen. Die extreme Sonne hat auch für ordentlich Sonnenbrand an einigen frei hängenden Trauben gesorgt. Die betroffenen Beeren sind mittlerweile eingetrocknet und werden wahrscheinlich bis zur Lese abfallen.Die Arbeiten der Winzer im Weinberg sind jetzt im Wesentlichen abgeschlossen, evtl. erfolgt noch einmal ein Laubschnitt oder ein Mulchen der Begrünung. Ansonsten sind die Winzer jetzt eher wieder im Weinkeller zu finden. Hier werden noch einige Weine abgefüllt, um die Tanks für den neuen Jahrgang frei zu haben. Diese werden dann zusammen mit dem kompletten Keller ordentlich gereinigt. Viele Winzer nutzen die etwas ruhigeren Tage aber auch, um in Urlaub zu fahren und sich für die etwa ab Mitte September anstehende Lese zu erholen. Die ersten Weinberge wurden zwar schon jetzt für Federweißen gelesen, hier handelt es sich aber um einen ganz speziellen Markt, der mit dem allgemeinen Lesestart für Wein noch ganz und gar nichts zu tun hat.

Quelle: Rheinhessen

Die große Aufholjagd ist in vollem Gange

Die Natur gleicht vieles wieder aus – das merken die Winzer derzeit wenn Sie gewissermaßen zusehen können, wie die Triebe wachsen. Waren die Weinberge bis Ende Mai noch fast 2 Wochen hinter der langjährigen Entwicklung, so legen diese in den letzten Tagen einen rasanten Spurt hin, den es aktuell gilt bei den Heftarbeiten zu bewältigen. Dazu kommt der hefige Wind der letzten Tage, bei dem die Triebe gerade weil sie so schnell gewachsen sind ganz leicht abbrechen.

Mittlerweile fangen die Weintrauben an zu blühen und wir liegen damit Mitte Juni wieder im langjährigen Mittel. Die Blüte der Reben ist relativ unspektakulär, die Blüten sind sehr filigran und im Vorbeifahren gar nicht zu sehen. Wer ein feines Näschen hat vernimmt einen leicht süßlichen Duft in der Gemarkung.Sie ist die letzte natürliche Hürde der Ertragsentwicklung des Jahrgangs, von Hagelunwettern mal abgesehen. Die weitere Ertragssteuerung mit dem Ziel der Qualitätssteigerung liegt danach in der Hand der Winzer und wird nach der Blüte sehr gezielt durch Reduktion ganzer Trauben oder auch dem Teilen von Trauben praktiziert.

Mit dem Zeitpunkt der Blüte lässt sich auch der Lesetermin prognostizieren, die Trauben benötigen etwa 100 Tage von der Blüte bis zu Reife, so dass man mit einem Lesebeginn Ende September kalkulieren kann und damit etwa 3 Wochen später als im vergangenen extrem frühen Jahr.

Quelle: Rheinhessen

Zwei sind einer zuviel

Die „Eisheiligen“ und damit die Gefahr von Frostschäden sind überstanden. Das Rebenwachstum stockte durch die kühlen Temperaturen in den letzten Wochen etwas, so dass trotz ebenso frühem Austrieb wie im vergangenen Jahr jetzt wieder das langjährige Mittel der Rebenentwicklung erreicht ist.

Vor allem bei den Burgundersorten treiben aus einer Knospe oft zwei Triebe aus. Einer dieser Doppeltriebe wird jetzt entfernt um den Ertrag zu regulieren aber vor allem, um eine gut durchlüftete Laubwand mit besonnten Trauben zu erzielen. Auch Triebe, die am Stammkopf wachsen, werden aus diesen Gründen entfernt. Am Stammfuss treibt es bei den meisten Rebsorten ebenso kräftig aus, diese Triebe bilden eine Wasser und Nährstoffkonkurrenz, gerade jetzt zu Beginn des Wachstums soll „alle Kraft“ nach oben gehen. Das sogenannte „Ausbrechen“ ist mühevolle Handarbeit, weshalb die Winzer froh sind, dass dieses Jahr das Wachstum etwas langsamer geht und sie dafür etwas mehr Zeit einplanen können.

Quelle: Rheinhessen

Die Verwirrung ist perfekt!

Wenn man derzeit durch die Weinberge spaziert sieht man in vielen Rebzeilen seltsame „Schmuckstücke“ an den frisch umgebogenen Reben hängen.

Bei den braunen Ampullen handelt es sich um so genannte Pheromondispenser. Sie sind die Grundlage, der seit einigen Jahren praktizierten biologischen Traubenwicklerbekämpfung. Die Dispenser enthalten Pheromone, also Sexualduftstoffe des weiblichen Traubenwicklers. Diese Duftstoffe entströmen ganz langsam den ganzen Sommer über. So duftet es in der gesamten Weinbergsgemarkung nach Traubenwicklerweibchen und die armen Männchen sind verwirrt, weil es ja überall nach dem weiblichen Geschlecht duftet, dass sie gar kein Weibchen mehr finden. So kann es zu keiner Begattung mehr kommen, es werden keine befruchteten Eier abgelegt und die Traubenwickler haben keine Nachkommen mehr.

 

Etwa ein Drittel der Rebfläche in Rheinhessen sind voll des Dufts der Traubenwicklerweibchen. Da nicht nur die Weinberge selbst abgehängt werden müssen, sondern auch umliegende Gehölze, müssen eine ganze Menge der Ampullen aufgehängt werden. Jeder Dispenser beduftet etwa 20 qm, das entspricht fast 4 Mio. Dispenser die aufzuhängen sind. Die Winzer schaffen das natürlich nicht alleine, sie wurden von Sportvereinen, Schulklassen, usw. unterstützt.

Die Winzer appellieren nun an Spaziergänger und Radfahrer in den Weinbergen die Pheromonampullen hängen zu lassen. Nur dann ist eine flächendeckende Wirksamkeit sichergestellt. Im heimischen Garten oder gar Schlafzimmer wirken die Pheromone ohnehin nicht …

Quelle: Rheinhessenwein

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt

Ganz so romantisch wie in dem über 200 Jahre alten „Bauernlied“ geht es zwar in der heutigen Landwirtschaft nicht mehr zu, heute werden doch eher die „Diesel-Rösslein“ eingespannt. Aber die Lockerung der Böden im Frühjahr ist nach wie vor die erste Bodenbearbeitung auch in den Weinbergen.

Hier wird zwar nicht wie in der Landwirtschaft oder auch wie im heimischen Garten ein Saatbeet bereitet sondern hier geht es darum das Bodenleben anzuregen und die Mineralisation von Nährstoffen zu fördern, da diese für die beginnende Vegetation benötigt werden. Auch wird mit diesem Grubbern der Aufwuchs der Wintermonate gestört um eine Wasserkonkurrenz mit den Reben zu vermeiden.Gleichzeitig führt die Brechung der Bodenkapillaren und die damit unterbundene Verdunstung dazu, dass die Bodenwasservorräte der Wintermonate für den Sommer besser gespeichert werden. Die Niederschläge der letzten Wochen waren erneut unterdurchschnittlich und auch der Wind der letzten Tage hat die Feuchtigkeit schnell wieder ausgetrocknet, so dass man vielleicht im Sommer für jeden Tropfen Wasser im Boden froh ist.Entgegen der Befürchtungen im Februar ist die Rebentwicklung doch nicht so schnell fortgeschritten wie gedacht. In den nächsten Tagen wird Flüssigkeit (unter Winzern: „Saft“) aus den Schnittwunden tropfen, was ein Indiz für das beginnende Leben in den Rebstöcken ist. Mit dem eigentlichen Austrieb ist aber dann erst Ende April zu rechnen.

Quelle : Rheinhessen